Einsatz-Reporting 2025 7/24

3. Februar 2026

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Mein Weg zur Krisenmanagerin

Foto Werdegang Bettina Zimmermann

Was Notfälle, Politik und Pionierarbeit gemeinsam haben – Bettina Zimmermanns Werdegang

Wenn mich jemand fragt, wie ich zur Krisenmanagerin geworden bin, muss ich immer etwas schmunzeln. Denn als Kind stand das nicht auf meiner Wunschliste. Tatsächlich wusste ich damals nicht einmal, dass es so einen Beruf überhaupt gibt. Mein Traum war es, Lehrerin zu werden – anderen Wissen zu vermitteln, stellte ich mir wunderbar vor.

Doch wie das Leben so spielt, führte mich mein Weg in eine ganz andere Richtung.

Der Beginn: Präzision und Prioritäten im Labor

In meinem Leben vor der Krisenmanagerin, arbeitete ich als Biomedizinische Analytikerin HF. Ein Beruf, der mich stark geprägt hat. Nach meiner Ausbildung trat ich meine erste Stelle im Routinelabor im Kantonalen Frauenspital in Bern an. Rund um die Uhr waren wir im Einsatz für frühgeborene Babys und deren Mütter. Bald hatte ich das Privileg, dass ich im Frauenspital ins Perinatologie und Fertilitätslabor wechseln durfte. Neben Fruchtwasseruntersuchungen bei schwangeren Frauen für vorgeburtliche Abklärungen, durfte ich massgeblich am Aufbau des ersten Labors für In-vitro-Fertilisation im Kanton Bern mitwirken. Die ganze Reproduktionsmedizin, das heisst die künstliche Befruchtung von Eizellen im Reagenzglas, war damals erst am Entstehen. Ende der 80er Jahre, war das noch richtige Pionierarbeit. Wahrscheinlich war es damals auch noch etwas romantischer als heute. Meine Arbeitskollegin und ich hatten nämlich bei jeder Befruchtung in der Petrischale, eine Kerze angezündet, damit zumindest ein Hauch von Romantik bei diesem feierlichen Akt war.

In der Zwischenzeit wurde ich selbst Mutter von zwei Kindern. In den ersten drei Jahren habe ich verschiedene Stellvertretungen gemacht. Im Anschluss hatte ich dann weitere Laborstationen in verschiedenen Notfallspitälern, zuletzt auch als Co-Cheflaborantin.

Was mir aus den vielen Notfalldiensten bis heute geblieben ist, ist die Fähigkeit des schnellen Entscheidens und Priorisieren. Dies war in jedem Notfall wichtig, damit die behandelnden Ärzte rasch Zugriff auf die notwendigen Ergebnisse hatten. Ich habe gelernt Ruhe zu bewahren, auch wenn mehrere Notfälle aufs mal eingeliefert wurden. Ich konnte Tag für Tag und Nacht für Nacht lernen, unter Druck zu arbeiten, Verantwortung zu übernehmen und die richtigen Schlüsse zu ziehen – Fähigkeiten, die mir heute als Krisenmanagerin sehr zugutekommen.

Technischer Fortschritt und die gläserne Decke

Im Laufe der fast 18 Jahren, in welchen ich diesen Beruf ausgeübt habe, erlebte ich einen grossen Wandel. Die technischen Fortschritte in den Analysemethoden haben sich im Eiltempo weiterentwickelt. Beurteilungen wurden von Maschinen übernommen. Technisches Knowhow trat mehr und mehr in den Vordergrund. Nicht nur das Berufsbild hatte sich stark verändert, als Co-Cheflaborantin waren auch meine weiteren Karrieremöglichkeiten begrenzt. Ich brauchte also eine neue Herausforderung. So entschied ich mich mit knapp 35 Jahren nochmals eine neue Richtung einzuschlagen. Ich startete eine Ausbildung als Coach und Supervisorin, machte eine Weiterbildung in Konfliktmanagement und Krisenkommunikation und trat ins Care Team des Kanton Bern ein. Mit leisen Schritten war ich auf dem Weg zur Krisenmanagerin. Ich machte erste Erfahrungen mit Menschen in Extremsituationen.

Anspruchsvolle Situationen erlebte ich auch während meiner Zeit, als ich politisch aktiv war in einem Exekutivamt als Gemeinderätin in einer Berner Gemeinde mit damals knapp 7’000 Einwohnern. Immer mal wieder stand ich im Fokus von Ansprüchen aus der Bevölkerung, die manchmal kaum umsetzbar und ab und an fern ab von der Realität waren. Ich lernte, mich in einem Spannungsfeld von Vorgaben und Begehrlichkeiten zu bewegen und ich erkannte, dass Politik ganz ähnlich funktioniert, wie ein Fussballmatch: die Zuschauer auf der Tribüne wissen immer viel besser, wie man ein Goal hätte machen können. Eben wie in der Politik – es wissen viele besser, wie man es machen müsste.

Ich möchte keine dieser Erfahrungen, so anspruchsvoll und unangenehm sie doch manchmal auch waren, missen. Sie haben mich geprägt und begleiten mich in meiner täglichen Arbeit mit Führungskräften und Teams.

Mein heutiges Wirken

2009 während meiner Weiterbildung in Krisenkommunikation hatte ich Kontakt mit der GU Sicherheit & Partner AG und konnte dort als Praktikantin einsteigen. Heute bin ich CEO und Mitinhaberin der GU Sicherheit & Partner AG. Und berate und unterstütze Unternehmen, Behörden und Verbände präventiv aber auch in Krisensituationen in den Bereichen Risikomanagement, Krisenmanagement, Krisenkommunikation und Bedrohungsmanagement. Bis heute habe ich weit über 250 Unternehmen durch Krisensituationen hindurch begleitet.

Als wissenshungrige Person habe ich mich in den letzten 16 Jahren stetig weitergebildet. Auf ein CAS in Organisationsentwicklung und einem CAS in Riskmanagement folgte ein EMBA in Executive Management und zahlreiche Aus- und Weiterbildungen im Bereich Bedrohungsmanagement bei den erfahrensten Experten im In- und Ausland. Mir ist wichtig, ein solides theoretisches Wissen zu haben. Aber was in meiner täglichen Arbeit noch viel wichtiger ist, ist mein grosser Erfahrungsschatz in den unterschiedlichsten Situationen und Bereichen. Vom Cyberangriff mit Lösegeldverhandlungen, über Produktionsausfall oder Produktrückruf, Suizid am Arbeitsplatz, Industriespionage, Dschihadismus, Amokvorboten, sexuelle Übergriffe, Massenentlassung, Corona, Strommangellage und und und.

Ich habe zu Beginn geschrieben, dass ich als Kind eigentlich Lehrerin werden wollte. Gewissermassen bin ich das heute auch. Denn ich bin Dozentin an verschiedenen Fachhochschulen und in Verwaltungsratslehrgängen für Risk- und Krisenmanagement, Krisenkommunikation sowie Corporate Governance. In Unternehmen bilde ich Krisenstäbe im In- und Ausland aus, trainiere und beübe diese.

Was mich antreibt

Dort, wo ich heute stehe, wäre ich wohl kaum, wenn mein Weg immer geradlinig verlaufen wäre. All die Erfahrungen aus meiner Zeit in Notfallspitälern, meinen Einsätzen im Care Team, meinen zahlreichen Kriseneinsätzen und persönlichen Rückschlägen haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Und es hat mich zu der Überzeugung geführt, dass Krisen nicht der Untergang sein müssen, sondern auch eine Chance sein können – wichtig ist, wie man diese bewältigt. Es geht darum, den Überblick zu behalten, klare Prioritäten zu setzen, Entscheidungen zu treffen und Menschen zu unterstützen.

Heute bin ich auch als Verwaltungsrätin tätig. Diese strategische Arbeit befruchtet mich sehr. Sie erlaubt es mir, meine Erfahrungen aus dem operativen Krisenmanagement in die langfristige Planung und Entscheidungsfindung einzubringen. Diese Perspektive ergänzt meinen Blick auf Unternehmen und Organisationen.

Mein Weg geht weiter. Ich habe noch mehr Ziele. Und es kann sein, dass ich plötzlich wieder vor einer neuen Weichenstellung stehe, und Mut brauche in die neue Richtung zu gehen. Ich weiss, dass ich diesen Weg gehen kann, denn ich bin mir meiner Kompetenzen bewusst und habe das Glück einen wunderbaren Mann zu haben, der mich ermutigt auch steinige Wege zu gehen. Ich habe zwei grossartige Kinder, die mein Lebensglück, seit deren Geburt ausmachen und ich habe Freunde, auf die ich zählen darf.